Fast vorbei

Vor einem Jahr, waren die Koffer gepackt und es hieß bye, bye Ottilienstr, bye bye Heidenheim, bye bye Deutschland, Afrika ich komme und ich war voll freudiger Erwartung. Ich hatte so viele schöne Erinnerungen von Zambia, auch aus anderen afrikanischen Ländern, in denen wir zuvor gelebt hatten gab es sowohl positive als auch weniger schöne Erinnerungen, allesamt aber durchaus nicht soo schlecht, dass das die Vorfreude schmälern konnte.

Wir wussten, dass wir hoch oben im Norden Namibias am Kavango sind und dass das nicht zu vergleichen ist mit dem sonst eher europäisch geprägten Namibia südlich von Grootfrontain. Es hieß es ist die 2.größte Stadt Namibias, und Supermärkte in denen man sich mit dem täglichen Bedarf versorgen kann gibt es. Wir waren in Sierra Leone im Bush, haben den Einzug der Truppen von Charles Tayler erlebt und bis auf das Ende mit der Evakuierung war Sierra Leone gar nicht soooo schlecht, in Ghana fand ich die Mentalität der Menschen jetzt nicht wirklich herzlich und freundlich, aber es haben sich immer Menschen in unserem Umfeld gefunden mit denen man etwas aufbauen konnte, also warum sollte ich mich fürchten, irgend etwas wird sich schon ergeben, ich war jedenfalls für alles offen.

Dann gab es ja noch in erreichbarer Weite Nationalparks für Wochenendtrips.

Wohl hab ich von Insidern immer wieder die Erwartung dämpfende Kommentare gehört, aber Leute die alles schlecht reden gibt es ja überall.

Mein Anspruch war, zu zeigen, dass auch der Norden Namibias reizvoll und schön ist. Nun ja es gibt durchaus reizvolle und schöne Ecken, die ich im Laufe dieses Jahres dokumentiert habe oftmals die Linse so gedreht, dass man hier aus Rundu das unmittelbare Umfeld (Müllfeld) nicht mehr sieht.

Keiner hat uns vorher gesagt, dass Rundu die dreckigste und unorganisierteste Stadt Namibias ist. Auch nicht, dass die Mentalität der Menschen in der Kavango Region nicht unbedingt als arbeitsam und freundlich zu bezeichnen ist.

Schon die Haussuche gestaltete sich äußerst schwierig es war unter den wenigen Objekten nicht eines, das schön gewesen wäre, so daß wir uns am Ende dazu entschlossen ein Haus zu nehmen das einen tollen Blick auf den Fluẞ hatte, den Rest haben wir renoviert und den verwarlosten Garten neu angelegt. So war ich in der Anfangszeit beschäftigt. Auch hatte ich wenigstens in meinem häuslichen Umfeld ein wenig Ordnung, denn außer halb warf jeder seinen Dreck gerade dahin wo er ging oder stand. Bei Nachbarn habe ich sogar gesehen wie sie einfach das Fenster aufgemacht haben und den Müll zum Fenster in den Garten geworfen haben. 🙈.

Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so oft  gesagt :“So etwas habe ich noch nie gesehen oder erlebt“ wie in diesem Jahr. Leider war es ein sehr einsames Jahr, was nicht zwingend an Covid lag, sondern mehr daran, dass es in diesem Dorf weder Weiße noch einheimische Menschen gibt mit denen man in irgendeiner Form in engere Verbindung treten kann ohne enttäuscht zu werden. Der größte Lichtblick waren die regelmäßigen Ausflüge nach Divundu und in den Nationalpark.

Die Nunda Lodge ist fast unsere 2.Heimat hier geworden und die Herzlichkeit und Freundlichkeit die wir dort von Anfang an erleben und erfahren durften haben mir immer wieder Kraft gegeben die Wochen der Einsamkeit in Rundu zu ertragen. Lieber Cameron, liebe Eugen dafür bin ich Euch immer dankbar.

Erst als die Entscheidung schon getroffen war, dass wir auch aus diversen anderen Gründen diesen Einsatz hier abbrechen werden, haben sich noch zarte Bande mit einem jungen Paar hier gebildet. Alana hat sich ein paar mal frei gemacht für einen Schwatz und einen Kaffee, auch dafür bin ich sehr dankbar, zumal das immer dann war, wenn Wolfgang auf Dienstreise war und die Einsamkeit nicht einmal am Abend zu Ende war.

Auch der Versuch sich in dieser Stadt zu engagieren scheiterte an Neid und Missgunst untereinander und dem Willen in irgendeiner Form etwas zu tun um die Lebensbedingungen zu verbessern. Manchmal habe ich das Gefühl, dass morgens aufzustehen schon Höchstleistung für die Menschen hier ist. Auch Ehrlichkeit, Wahrheit und Höflichkeit scheinen hier Fremdwörter zu sein. Was dann auch bald dazu führte auf Personal zu verzichten da es sowieso schneller und sauberer ist wenn man es selbst macht, ohne sich zu ärgern. Nun neulich sagte mir jemand dazu: „people are different“. Ja manchmal zu different.

Und so ist nun schon wieder der erste Koffer gepackt, die Hundox geputzt und die Flüge für mich und die Hunde gebucht. Noch eine Woche Rundu, dann geht’s nach Windhoek der erste Schritt in die Zivilisation. Die Hundis brauchen noch diverse Untersuchung bevor sie Fliegen dürfen.

Ich freue mich auf Zuhause, auf Nachbarn mit denen man mal ein Schwätzchen halten kann, auf Freunde mit denen man mal einen Kaffee oder ein Glas Wein trinken kann, auf Freunde mit denen man durch Wald und Heide streift mit den Hunden, auf Konzert- und Theaterbesuche, auf Besuche von den Kindern…….

Ein Gutes hatte dieses Jahr. Noch nie! habe ich mich so sehr auf zuhause gefreut und vielleicht ist das dann auch das Ende des Fernwehs, das uns immer wieder in die Welt hinaus gezogen hat um neue Länder und Kulturen kennenzulernen. Außer einem Urlaub. 😜

Ein Kommentar zu “Fast vorbei

  1. Dear Niki, call me how ever you want. We were working for more than 30 years in development countries, mostly in Africa. Something like we experienced in Rundu never came across. For me it was the most horrible year I have experienced all over my working life. People who know me, also know that I normally fight for Africa and their people. I haven’t had the chance to meet nice people in Rundu.

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